20260725_100844.jpg

Radeln durch die Lausitzer Seenlandschaft

Ähnlich wie der Strukturwandel im mitteldeutschen Revier zu Beginn der 1990er Jahre, hat der Kohleausstieg im Lausitzer Revier zunächst einmal viele Mondlandschaften hinterlassen. Die riesigen Tagebaue, denen zahlreiche Orte zum Opfer gefallen waren, wandelten sich durch Flutung und Grundwasser zu großen Seen. Wie im Leipziger Neuseenland, schlängeln sich um diese Gewässer zahlreiche gut ausgebaute Radwege, oftmals miteinander zu einem Netz verknüpft, auf welches die Radfahr-Freaks der ganzen Republik vermutlich neidisch schauen. Kein Wunder also, dass der Aktivurlaub-Tourismus sich immer mehr auf solche innerdeutschen Ziele konzentriert. Wie fährt es sich also beispielsweise mit dem Fahrrad im Lausitzer Grenzland zwischen Brandenburg und Sachsen?

Bevor es losgeht

Wer bisher mit dem Fahrrad vorrangig im Leipziger Neuseenland oder auf Radwegen entlang ehemaliger Bahnstrecken unterwegs war, sollte zunächst beherzigen: In der Lausitz “gibt es jede Menge Gegend”. Die Tagebaue waren länger in Betrieb und stießen aufgrund der Besiedlungsdichte auf weniger “Raumwiderstand” als anderenorts. Sprich: Lausitzer Tagebaue konnten eine beachtliche Ausdehnung erreichen. Bei einigen war die Flutung erst Mitte der 2020er Jahre abgeschlossen. Entsprechend lang sind die Radwege, welche die heutigen Wasserflächen umrunden.

So sehr Sie vielleicht sonst auch auf Ihre Wetter-App schwören: Bitte verlassen Sie sich nicht allzu sehr darauf. Es ist in der Lausitz nicht ungewöhnlich, dass das Wetter bisweilen wechselhafter ist als die Laune von Donald Trump.

Wie sind die Radwege beschaffen?

An einigen Gewässern sind noch immer viele Uferabschnitte gesperrt. Dort wird mit begründeter Vorsicht und erheblichem Aufwand verfestigt und überwacht. Immerhin existiert bei solchen riesigen Flutungen relativ wenig praktische  Erfahrung. Entsprechend sind Wohn- und Tourismusbebauung zwar durchaus im Kommen, aber aktuell (2026) noch recht vereinzelt. Vorteil: Wer wirklich radeln und die Landschaft genießen will, ist hier goldrichtig.

Ein weiterer Vorteil: Diese modernen Radwege sind gut befestigt, meist sogar asphaltiert. Der sehr gute Ausbauzustand manifestiert sich unter anderem in der Tatsache, dass einige Radwege stellenweise breiter sind als manche Bundesstraßenabschnitte der Region. Auch am Wegesrand lassen sich durchdachte Details entdecken: Ungefähr alle 500 Meter befindet sich an wohnortfernen Radwegen ein kleiner Pfosten mit Angaben zum aktuellen Standort. Bei Notfällen ist das eine hervorragende Orientierungshilfe für die Rettungsleitstelle. Beispielsweise am Partwitzer See sind zudem gelegentlich kleine Kartenausschnitte an Verkehrsmasten oder Wegweisern angebracht. Sie bieten überall dort Orientierung, wo sich Radwege kreuzen oder mit anderen Wegen und Straßen zusammentreffen. Tatsächlich bietet dies nützliche Ergänzungen und Hinweise zur nicht immer verlässlichen Standortangabe auf dem Smartphone.

Je nach Tourverlauf entstehen sehr unterschiedliche Aus- und Einsichten: Die Radwege werden gesäumt von Strandabschnitten, Heidelandschaften, hohen Kiefernwäldern, See-Panoramen, ländlicher Bebauung oder verlaufen auch mal kurzzeitig parallel zu einer Bundesstraße.

Fazit: Für passionierte Pedalritter lohnt sich ein Ausflug in die Lausitzer Seenlandschaft auf jeden Fall. Für ein optimales Erlebnis sollte man allerdings mehr als einen Tag einplanen.

Tourtipp 1: Rund um den Senftenberger See

Die knapp 20 Kilometer lange Route verläuft größtenteils durch parkähnliche Areale, gesäumt von Wohnbebauung, Ferienanlagen, Gärten und touristischen Angeboten. Im Gegensatz zu vielen anderen künstlichen Seen der Lausitz entstand der See bereits um 1970. Entsprechend konnte sich hier bereits zu DDR-Zeiten eine Bebauung für Tourismus und Naherholung etablieren. Dennoch gibt es auch am Senftenberger See Uferabschnitte, welche immer noch aus Sicherheitsgründen gesperrt sind. Tipp: Starten Sie am Parkplatz Niemtscher Mühle. Er befindet sich direkt am Radweg. Die Parkgebühren sind eher moderat. Der Radweg selbst ist zwar nicht ganz so breit wie andere Radwege der Region, aber dennoch ausreichend und recht gut ausgebaut. Er besteht aus Asphalt- bzw. Betonstein. Wenn Sie den See im Uhrzeigersinn umrunden, ist die richtige Streckenführung mit etwas Aufmerksamkeit vergleichsweise leicht zu finden. Lediglich in der Ortslage Großkoschen endet der Radweg abrupt und lässt Ortsunkundige ratlos zurück. In diesem Fall orientieren Sie sich am besten in Richtung der Ferienanlage "Familienpark". Die dort hindurchführende “Straße zur Südsee” bringt Sie wieder auf die richtige Route. Ein Highlight am Wegesrand ist der 31 Meter hohe Aussichtsturm. Von der oberen Plattform des stählernen Kolosses bietet sich nicht nur ein Ausblick auf weite Wälder und die Wasserfläche des Senftenberger Sees, sondern auch darauf, welche Strecke Sie bereits geschafft beziehungsweise noch zu bewältigen haben.

Nützliches für Ihre Radtour

Transparenzhinweis: Die nachfolgenden Buttons enthalten Werbelinks zu Amazon. Der Autor erhält im Falle eines Kaufs eine geringe Vergütung. 


Tourtipp 2: Der Sedlitzer See und seine Nachbarn

Ein günstiger Ausgangspunkt ist die Ortschaft Lieske in der Gemeinde Neu-Seeland. Direkt an der B156 gelegen, befindet sich kurz nach dem Ortseingang aus Richtung Senftenberg ein großer Parkplatz mit Blick auf den Sedlitzer See. Unmittelbar am Parkplatz führt der Radweg vorbei. Von dort aus startet man linkerhand in Richtung Ortsmitte. Nach etwa fünf Kilometern gibt es für touristisch Interessierte die erste Gelegenheit zum Zwischenstopp. Neben der Möglichkeit, auf einer langen Seebrücke “übers Wasser zu wandeln”, bietet ein kleiner Infopark allerhand Wissenswertes zur Entstehung der Kohle, zum Tagebau, zur Ökologie und zur Renaturierung.

Nur rund einen Kilometer weiter überquert man die Sornoer Kanalbrücke und passiert direkt danach eines der beeindruckendsten Bauwerke am Sedlitzer See, welches auch als Landmarke eingetragen ist: Der Rostige Nagel, ein knapp 29 Meter hohes Stahlbauwerk in Form eines gleichschenkligen Dreiecks, ist ein Aussichtsturm, der nach 162 Stufen einen guten Rundumblick bietet und so vielleicht etwas Orientierungshilfe gibt. Denn der Sedlitzer See selbst kann zwar per Fahrrad umrundet werden, allerdings eher weitläufig und bisher (2026) nicht in der gewohnten Radweg-Qualität.

Alternativ bieten sich daher folgende Routen an:

  1. Weiterfahrt über eine kaum befahrene, breite Waldstraße bis zur B96 in der Ortslage Kleinkoschen. Ab dort verläuft rechterhand begleitend zur Bundesstraße ein Radweg bis nach Senftenberg. Für Erlebnishungrige empfiehlt sich das dortige Schloss mit einer Mischung aus Lokalgeschichte, Kunstausstellung und Schaubergwerk. Gleich nebenan gibt es zudem einen Tierpark. Die Streckenlänge beträgt rund sieben Kilometer. Für sportlich orientierte Radfahrer empfiehlt es sich hingegen, den nächsten Zugang zum Senftenberger See zu suchen, um diesen zu umrunden, siehe oben. Von Senftenberg aus ist es auch möglich, den Sedlitzer See weiter großräumig zu umrunden. Wie bereits erwähnt, gibt es hierzu allerdings teilweise keine dafür vorgesehene Strecke.
  2. Eine weitere Möglichkeit ist, ebenfalls die Waldstraße ein Stück in Richtung Senftenberg weiterzufahren. Bei Erreichen der Ortschaft Kleinkoschen zweigt linkerhand ein weiterer Radweg ab, welcher Sie rund um den Geierswalder See führt, bis Sie nach 17 Kilometern wieder am “Rostigen Nagel” ankommen. Der Radweg ist gut ausgebaut und sehr idyllisch, teilweise aber nicht eindeutig beschildert. Alternativ lässt sich der Geierswalder See natürlich auch von Geierswalde aus umrunden. Unter anderem am Hafen befindet sich ein großer Parkplatz direkt am Radweg.
  3. Vom “Rostigen Nagel” aus kann man auch etwa einen Kilometer zurück bis auf Höhe der Seebrücke fahren. Von dort aus führt ein Radweg (teilweise als Popup einer kleinen Straße) zwischen Geierswalder See und Partwitzer See hindurch. Wer letzteren gegen den Uhrzeigersinn umfährt, trifft nach etwa 20 Kilometern auf einen Abzweig in Richtung Lieske und gelangt so wieder an den Ausgangspunkt der Fahrt.

Letztendlich können Sie ab dem Parkplatz Lieske natürlich auch versuchen, den Sedlitzer See gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden. Dazu starten Sie am Radweg rechterhand und sind die nächsten elf Kilometer recht idyllisch unterwegs. Ab dem so genannten Ilse-Kanal wird es dann aber ziemlich verwirrend. Es handelt sich nicht mehr um einen echten Rad-Rundweg. Am besten unterqueren Sie eine soeben befahrene Brücke entlang des Kanals und halten sich dann rechterhand in Richtung Sedlitz / Großräschener See. Falls Sie dabei das Gefühl haben, sich vom Sedlitzer See zu entfernen, täuscht Sie Ihr Orientierungssinn nicht. Ab hier wenden Sie sich in Richtung Senftenberg, danach entlang der Bundesstraße B96 bis nach Kleinkoschen, wo Sie linkerhand wieder in Richtung Rostiger Nagel abbiegen können.



Nützliches für Ihre Radtour

Transparenzhinweis: Die nachfolgenden Buttons enthalten Werbelinks zu Amazon. Der Autor erhält im Falle eines Kaufs eine geringe Vergütung. 

Für die schnelle Reparatur unterwegs Wenn die Anfahrt zum Radweg etwas weiter ist... Damit Ihnen beim Aufpumpen nicht die Puste ausgeht...


Missbrauch melden Mehr erfahren