Radeln durch die Lausitzer Seenlandschaft
Ähnlich wie der Strukturwandel im mitteldeutschen Revier zu Beginn der 1990er Jahre, hat der Kohleausstieg im Lausitzer Revier zunächst einmal viele Mondlandschaften hinterlassen. Die riesigen Tagebaue, denen zahlreiche Orte zum Opfer gefallen waren, wandelten sich durch Flutung und Grundwasser zu großen Seen. Wie im Leipziger Neuseenland, schlängeln sich um diese Gewässer zahlreiche gut ausgebaute Radwege, oftmals miteinander zu einem Netz verknüpft, auf welches die Radfahr-Freaks der ganzen Republik vermutlich neidisch schauen. Kein Wunder also, dass der Aktivurlaub-Tourismus sich immer mehr auf solche innerdeutschen Ziele konzentriert. Wie fährt es sich also beispielsweise mit dem Fahrrad im Lausitzer Grenzland zwischen Brandenburg und Sachsen?
Bevor es losgeht
Wer bisher mit dem Fahrrad vorrangig im Leipziger Neuseenland oder auf Radwegen entlang ehemaliger Bahnstrecken unterwegs war, sollte zunächst beherzigen: In der Lausitz “gibt es jede Menge Gegend”. Die Tagebaue waren länger in Betrieb und stießen aufgrund der Besiedlungsdichte auf weniger “Raumwiderstand” als anderenorts. Sprich: Lausitzer Tagebaue konnten eine beachtliche Ausdehnung erreichen. Bei einigen war die Flutung erst Mitte der 2020er Jahre abgeschlossen. Entsprechend lang sind die Radwege, welche die heutigen Wasserflächen umrunden.
So sehr Sie vielleicht sonst auch auf Ihre Wetter-App schwören: Bitte verlassen Sie sich nicht allzu sehr darauf. Es ist in der Lausitz nicht ungewöhnlich, dass das Wetter bisweilen wechselhafter ist als die Laune von Donald Trump.
Wie sind die Radwege beschaffen?
An einigen Gewässern sind noch immer viele Uferabschnitte gesperrt. Dort wird mit begründeter Vorsicht und erheblichem Aufwand verfestigt und überwacht. Immerhin existiert bei solchen riesigen Flutungen relativ wenig praktische Erfahrung. Entsprechend sind Wohn- und Tourismusbebauung zwar durchaus im Kommen, aber aktuell (2026) noch recht vereinzelt. Vorteil: Wer wirklich radeln und die Landschaft genießen will, ist hier goldrichtig.
Ein weiterer
Vorteil: Diese modernen Radwege sind gut befestigt, meist sogar asphaltiert.
Der sehr gute Ausbauzustand manifestiert sich unter anderem in der Tatsache,
dass einige Radwege stellenweise breiter sind als manche
Bundesstraßenabschnitte der Region. Auch am Wegesrand lassen sich durchdachte
Details entdecken: Ungefähr alle 500 Meter befindet sich an wohnortfernen
Radwegen ein kleiner Pfosten mit Angaben zum aktuellen Standort. Bei Notfällen
ist das eine hervorragende Orientierungshilfe für die Rettungsleitstelle.
Beispielsweise am
Partwitzer See sind zudem gelegentlich kleine Kartenausschnitte an
Verkehrsmasten oder Wegweisern angebracht. Sie bieten überall dort
Orientierung, wo sich Radwege kreuzen oder mit anderen Wegen und Straßen
zusammentreffen. Tatsächlich bietet dies nützliche Ergänzungen und Hinweise zur
nicht immer verlässlichen Standortangabe auf dem Smartphone.
Je nach Tourverlauf entstehen sehr unterschiedliche Aus- und Einsichten: Die Radwege werden gesäumt von Strandabschnitten, Heidelandschaften, hohen Kiefernwäldern, See-Panoramen, ländlicher Bebauung oder verlaufen auch mal kurzzeitig parallel zu einer Bundesstraße.

Fazit: Für
passionierte Pedalritter lohnt sich ein Ausflug in die Lausitzer Seenlandschaft
auf jeden Fall. Für ein optimales Erlebnis sollte man allerdings mehr als einen
Tag einplanen.

Die knapp 20
Kilometer lange Route verläuft größtenteils durch parkähnliche Areale, gesäumt
von Wohnbebauung, Ferienanlagen, Gärten und touristischen Angeboten. Im
Gegensatz zu vielen anderen künstlichen Seen der Lausitz entstand der See
bereits um 1970. Entsprechend konnte sich hier bereits zu DDR-Zeiten eine Bebauung
für Tourismus und Naherholung etablieren. Dennoch gibt es auch am Senftenberger
See Uferabschnitte, welche immer noch aus Sicherheitsgründen gesperrt sind. Tipp:
Starten Sie am Parkplatz Niemtscher Mühle. Er befindet sich direkt am Radweg.
Die Parkgebühren sind eher moderat. Der Radweg selbst ist zwar nicht ganz so
breit wie andere Radwege der Region, aber dennoch ausreichend und recht gut
ausgebaut. Er besteht aus Asphalt- bzw. Betonstein. Wenn Sie den See im Uhrzeigersinn
umrunden, ist die richtige Streckenführung mit etwas Aufmerksamkeit
vergleichsweise leicht zu finden. Lediglich in der Ortslage Großkoschen endet
der Radweg abrupt und lässt Ortsunkundige ratlos zurück. In diesem Fall
orientieren Sie sich am besten in Richtung der Ferienanlage
"Familienpark". Die dort hindurchführende “Straße zur Südsee” bringt
Sie wieder auf die richtige Route. Ein Highlight am Wegesrand ist der 31 Meter
hohe Aussichtsturm. Von der oberen Plattform des stählernen Kolosses bietet sich
nicht nur ein Ausblick auf weite Wälder und die Wasserfläche des Senftenberger
Sees, sondern auch darauf, welche Strecke Sie bereits geschafft beziehungsweise
noch zu bewältigen haben.